Durch Christus haben wir jüdische Wurzeln

Helmuth Eiwen im Interview zu den Elaia Christengemeinden

 

Die Elaia Christengemeinden haben sich aufgrund des gemeinsamen Themas „Israel“ zusammengeschlossen. Was sollen Menschen zu Gottes auserwähltem Volk wissen?
Gottes Bund mit Israel ist die Antwort auf die Frage nach unserer Identität als Christen und Christinnen. Denn wir haben uns als nichtjüdische Gläubige vom edlen Ölbaum (griechisch „elaia“) abgeschnitten, mit dem Paulus in der Bibel die Heilsgeschichte Gottes mit dem Volk Israel meint. Das begann im zweiten Jahrhundert damit, dass die nichtjüdische Christenheit mehr und mehr das jüdische Volk unter Anklage setzte, Christus ermordet zu haben. Auf diese Weise riss die Kirche die Stellung der Auserwählung und somit auch die alttestamentlichen Verheißungen für Israel an sich. Man spricht hier von Ersatztheologie oder Enterbungstheologie. Damals gab es nur eine Kirche, und die Abtrennung setzte sich in alle Ströme der Kirchengeschichte fort. In der Folge sehen Gläubige ihre Identität heute vielerorts in Rom, Wittenberg oder in den Gründern von Freikirchen, anstelle in Israel.

Die Trennung der Kirche von ihren Wurzeln im zweiten und dritten Jahrhundert hatte weitreichende Folgen für die Kirchengeschichte. Aus meiner Sicht ist sie zu einem erheblichen Teil verantwortlich für den großen Niedergang der Kirche im Mittelalter. Wenn Abraham, Isaak und Jakob nicht mehr unsere Wurzeln sind, geht etwas Entscheidendes verloren. Das Evangelium beginnt nicht erst mit Christus. Er ist der Höhepunkt, und durch ihn haben wir Anteil an den jüdischen Wurzeln. Begonnen hat die Heilsgeschichte jedoch mit Abraham. Es ist wichtig, dass wir uns als Christen und Christinnen gemäß der Bibel wieder als wilde Zweige in den edlen Ölbaum Israel einsetzen lassen und entdecken, dass unsere Identität das gesamte Glaubensgut des Volkes Israel ist. Darüber hinaus wurden über Jahrhunderte alle Juden und Jüdinnen, die an Christus gläubig geworden sind, gezwungen, dem Judentum abzuschwören. Ohne Judenchristen ist die weltweite Gemeinde Christi jedoch nicht vollständig. Wir veranstalten zu diesen Themen Seminare und Konferenzen, um in breiten Kreisen theologische Klarheit zu bringen.

Wie gestalten sich die Gottesdienste?
Ihre Atmosphäre berührt neue Besucherinnen und Besucher oft im Herzen. Es findet sich Freiraum, dass Gläubige berichten können, wie sie Gott erleben. Oder dass sie mitteilen, was sie durch Gedanken und innere Bilder von Gott für einzelne Menschen oder für die Gemeinde zu „hören“ glauben. Das dient ausschließlich dazu, Menschen aufzubauen, zu trösten oder dazu zu ermutigen, dass sie Schritte setzen. Meist beten wir im Gottesdienst oder im Anschluss an diesen für Heilung und andere Anliegen. Neben der Predigt ist die Anbetung mit Liedern ein wichtiges Element. Dabei versammelt sich die Gemeinde, um Gott zu danken und ihn zu erheben. Für junge Menschen von zwei bis sechzehn Jahren gibt es eigene Betreuung und Gottesdienste in mehreren Altersstufen.

Worauf freust du dich bei der Zusammenkunft mit deiner Gemeinde?
Dass sie für mich Heimat und Familie ist. Wie nie zuvor durfte ich das erleben, als 2012 meine Frau verstorben ist. Und es begeistert mich, dass uns in letzter Zeit als Gemeinde der Hunger nach der Gemeinschaft mit Gott immer stärker miteinander verbindet. Wir erleben noch viel zu wenig und wünschen uns noch viel mehr. Wir strecken uns danach aus, dass wir mehr von der Herrlichkeit Gottes sehen dürfen.

Wozu „brauchen“ Menschen christlichen Glauben? Wie hilft ihnen eine Kirche?
Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch tief in sich die Frage nach dem Sinn seines Lebens trägt. Für mich hat diese Sinnfrage damit zu tun, ob mir persönliche Liebe zuteil wird, ob ich angenommen werde, wie ich bin, und ob ich mich so geborgen fühle, dass ich ganz entspannt sein kann. Und das auch in den letzten Sekunden meines Lebens und somit über meinen Tod hinaus. All das kann mir kein Mensch geben. Das ist noch kein Beweis Gottes. Aber ich würde jedem Menschen sagen, dass es sich lohnt, die Frage nach Gott zu stellen. Darum geht es in den Gottesdiensten. Wir laden Menschen ein, in eine personale Beziehung zu Gott zu treten. Wir helfen ihnen, dass sie Gott in ihrem Leben kennen lernen und ihn als denjenigen erleben, der ihre Sinnfrage beantwortet.

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