Entstehung der „Freikirchen in Österreich“

 

Eine junge Geschichte

Die Geschichte der „Freikirchen in Österreich“ ist noch jung. Die erste Baptistengemeinde Österreichs entstand 1869 in Wien, die erste Pfingstgemeinde in den 1920er Jahren ebenfalls in Wien. Zur Gründung von Bünden solcher Gemeinden kam es jedoch erst in den 40er und 50er Jahren. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten mennonitischen Gemeinden in Österreich. Mit einer Vorgeschichte ab den 70ern erfolgte die Gründung des Bundes Evangelikaler Gemeinden in den 90er Jahren. Der Bund der Elaia Christengemeinden entstand erst im gegenwärtigen Jahrtausend, während seine Ursprünge in den 80er Jahren liegen.

Diese späte Entwicklung überrascht in Österreich, da die Freikirchen weltweit auf die Täufer der Reformationszeit zurückgehen und diese Bevölkerungsgruppe auch in Österreich groß an der Zahl war. Die Mennoniten gingen unmittelbar aus den Täufern hervor; die erste baptistische Gemeinde entstand 1609 in Amsterdam.

Die Täuferbewegung nahm ihren Anfang 1525 in Zürich, gelangte aber bald auch in Österreich zur Blüte. Betrachtet man sie als den Ursprung der neuzeitlichen Freikirchen, so weist Österreich eine längere freikirchliche Geschichte als die meisten anderen Staaten der Welt auf. Freikirchen sind daher kein „Import aus Nordamerika“, wie viele Menschen hierzulande denken.

 

Eine anerkannte Kirche entsteht

Im Frühjahr 2011 treffen sich österreichische Leitende der Baptistengemeinden, der Evangelikalen Gemeinden, der Mennonitischen Freikirche und der Freien Christengemeinde. Alle empfinden die Situation als eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft mit ihren unklaren Rechtsverhältnissen als nicht zufriedenstellend. Seit Jahren oder Jahrzehnten ringen diese freikirchlichen Bünde um staatliche Anerkennung als Kirche. Beim Treffen wird der Wunsch klar, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam für die Menschen im Umfeld, die Politik und die Gesellschaft in Österreich hilfreich zu sein. Als „Freikirchen in Österreich“ möchten sie ein Christsein vermitteln, das lebendig und ansprechend ist und Menschen die Kraft Gottes erkennen lässt.

In der Folge lernen die Freikirchen einander immer mehr kennen und schätzen. Die Elaia Christengemeinden schließen sich den Gesprächen an. Der Zusammenschluss erhält Unterstützung von den evangelischen und katholischen Kirchen. Es kommt zu Gesprächen mit weiteren Freikirchen und unabhängigen freikirchlichen Gemeinden. Im Jänner 2013 bringen die fünf genannten Bünde schließlich den gemeinsamen Antrag auf staatliche Anerkennung als Kirche ein, die im August 2013 in Kraft tritt.

Die „Freikirchen in Österreich“ möchten einen Beitrag dazu leisten, dass einzelne Menschen und die gesamte Gesellschaft Österreichs Gottes Zuwendung erleben. Die Voraussetzung dafür sehen sie in der Liebe, Barmherzigkeit und Gnade Gottes, die ihrer Auffassung nach allen Menschen gilt.